Lesenlernen in der 1. Klasse

Lesenlernen heißt, dass jeder Buchstabe bzw. Laut optisch, akustisch, sprechmotorisch und schreibmotorisch genau betrachtet wird.

Dabei werden die Buchstaben nach ihrem Laut benannt.

 

Beispiel: M heißt „mmmm“ und nicht „em“ wie im Alphabet.

 

1. Optische Analyse

Die Kinder schauen die Buchstabenform genau an und beschreiben in ihrer Sprache, wie der Buchstabe aussieht.

 

Beispiel: Das große M schaut in der Mitte aus wie eine Schultüte V.

 

Die Kinder sollen den Buchstaben isolieren können, d.h. diesen aus einer Vielfalt von anderen Buchstaben sicher erkennen. Im Arbeitsheft aus unserer Fibel „Frohes Lernen“ (Klett-Verlag) gibt es dazu diese Übung:

 

Bild 1 – Turm

 

2. Akustische Analyse

Die Kinder sollen den Laut in Wörtern hören bzw. selber Wörter mit dem Laut finden. Die Stellung des Lautes im Wort ist von großer Bedeutung, also: Höre ich den Laut vorne (am Anfang) – innenhinten (am Schluss)? Besonders wichtig ist, dass die Wörter überdeutlich und laut vorgesprochen werden (Gummibandsprache). Dies wird auch im Arbeitsheft zu unserer Fibel geübt:

 

 

Bild 2 – Stellung des Lautes

 

3. Sprechmotorische Analyse

Hier wird die korrekte Lautbildung thematisiert und geübt. Die Mundstellung beobachten die Kinder im Spiegel oder beim Partner und beschreiben.

 

Beispiel „M“: Lippen aufeinander, Stimme („Motor“) brummt

Beispiel „F“: „Motor“ aus, obere Zähne auf Unterlippe, pusten; Ich spüre die Luft auf der Hand.

 

4. Schreibmotorische Analyse

In der schreibmotorischen Phase erlernen und üben die Kinder den richtigen Bewegungsablauf beim Schreiben des Buchstabens. Als Hilfe gibt es oft einen einprägsamen Spruch:

Beispiel großes „K“: großes Krokodil (senkrechter Strich) – Hopsasa

(Richtungswechsel von unten nach rechts oben) – großes Maul (<)

 

Es gilt das Schreibprinzip „Vom Großen zum Kleinen“. Zuerst wird der Buchstabe groß auf die Bank, auf ein Stück Tapete, an die Tafel oder in eine Sandkiste geschrieben. Dabei werden verschiedene Schreibmaterialien wie Wachsmalkreide, Filzstift, Kreide verwendet. Schließlich wird der Buchstabe in die Zeile geschrieben. Bei der Orientierung in den Zeilen hilft das Zeilenhaus, in dem die Buchstaben „wohnen“.

 

Dach

 

 

Wohnung

 

 

 

Keller

 

 

Bild 3 – Zeilenhaus

 

 

Sind mehrere Buchstaben bekannt, werden erste sinnvolle Wörter geschrieben: Mimi, im, am

 

5. Synthese

Sobald mehrere Buchstaben bekannt sind, wird auch das Zusammenlesen der Buchstaben zu Silben und Wörtern (= Synthese) geübt.

 

In diesem Stadium ist es gut und richtig, dass die Kinder Wörter auswendig „lesen“ können. Diese Wörter heißen auch „Ganzwörter“, da sie als Ganzes wiedererkannt werden.

 

Beispiel: Namen der Fibel-Familie: Mimi, Susi, Mama, Ami (Hund), Mia (Katze)

Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Das ist nicht das echte „Zusammenlesen“. Das Zusammenschleifen der Laute muss geübt werden und braucht unterschiedlich lange Zeit, bis die Kinder es verstanden haben und umsetzen können.

 

 

Schluss

Zum Abschluss möchten wir Ihnen noch folgende Hinweise geben, wie sie Ihr Kind beim Lesenlernen unterstützen können.

 

Lesen lernt man nur durch lesen. Bieten Sie Ihrem Kind eine Auswahl an Lesestoff an, der sich an den Interessen Ihres Kindes orientiert.

 

Lesen Sie weiter viel vor, denn Vorlesen motiviert (Abendgeschichte, im Urlaub, im Zug…).

 

Schaffen Sie gemütliche Lesesituationen!