Bedienungsanleitung für das Gehirn

Vortrag an der Grund- und Mittelschule „Am Sonnenteller“

 

„Wir lernen aus Beispielen. Regeln bildet unser Gehirn selbst. Geben Sie Ihren Kindern deshalb vor allem möglichst viele gute Beispiele!“ Dies war die zentrale Aufforderung des Referenten Steve Bauer bei einem Vortrag zum Thema „Lernen - Erziehung - Leistung“ in Dittelbrunn. Wissenschaftliche Erkenntnisse wurden an diesem Abend auf unterhaltsame Weise vorgestellt und mit der Praxis des Lernens in Schule und Elternhaus in Verbindung gebracht. Kleine Übungen luden die Zuhörerschaft zum Mitmachen und Nachdenken ein. „So manches tickt anders - nur wir noch nicht.“ Aus diesem Untertitel der Veranstaltung wurde deutlich, dass wir Lernen und Erziehung in Elternhaus und Schule in vielerlei Hinsicht neu überdenken müssen.

 

Kinder lernen immer - auch von schlechten Vorbildern

Bauer, beruflich in der Ausbildung von Lehrkräften tätig und darüber hinaus ehrenamtlich im Unterfränkischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (ULLV) der Leiter der Abteilung Schul- und Bildungspolitik, erläuterte den Zuhörern zunächst auf einfache Weise, wie Lernen neurowissenschaftlich betrachtet funktioniert. Schnell wurde deutlich, dass das Gehirn sich die Regeln aus Beispielen selbst bildet. In beabsichtigter Weise, wenn Kinder beispielsweise beim Erlernen der Muttersprache viel hören und vor allem selbst sprechen. Weniger beabsichtigt aber genauso effektiv sei das Erlernen schlechter Verhaltensweisen aus falschen Beispielen oder aber das Kennenlernen von Gewalt als Konfliktlösung durch zu intensiven Fernsehkonsum.

 

Erfolg ist die beste Motivation

Bauer machte auch deutlich, dass die wirksamste Motivation im Erfolgserlebnis liege. Bei Erfolg würden Glückshormone freigesetzt. Das Gehirn belohne sich selbst. Zu viele Kinder seien im schulischen Alltag jedoch überfordert und hätten viel Frust, kaum Erfolg. Zudem werde zu viel kritisiert und das Lob dem Diktat der Leistungsorientierung geopfert. Dies betreffe sowohl Eltern als auch Lehrer. Anforderungen müssten konsequenter an das Kind angepasst werden. Von materieller Belohnung riet der Referent eher ab. „Sie verhindern sogar, dass eine Begeisterung für die Sache entsteht.“

 

Spickzettel schreiben bringt’s!

Praktische Übungen bewiesen den ausgesprochen interessierten und aufmerksamen Zuhörern, dass das meist übliche Lesen alleine eine sehr schwache Lernstrategie darstellt. Mit den Eltern über den Unterrichtsgegenstand sprechen, Spickzettel oder Post-it-Zettel beschreiben, all dies sei für viele Kinder ein weit wirksamerer Weg, das Lernen anzukurbeln. „Nur anwenden darf man ihn nicht!“, warnte Bauer beim Thema Spickzettel. Das mehrfache Abschreiben alleine würde aber in aller Regel genügen, sodass der Zettel selbst am Ende überflüssig sei.

 

Kompetenzen statt Faktenwissen

Um Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, Kompetenzen zu entwickeln, die in der Wissensgesellschaft gebraucht würden, müssten die Schulen einen großen Schritt weg von dem bulimischen Lernen machen, so Bauer. Viel zu oft werde noch „Faktenwissen zusammenhanglos reingefressen, bei der Probe ausgespien und sofort wieder vergessen“. Einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gingen die neuen Lehrpläne und auch Prüfungsformen wie bspw. die Projektprüfung. Allerdings sei all das im Alltag immer noch durch Leistung- und Notendruck sowie durch die Auslesefunktion der Schulen überlagert. „Kinder und Jugendliche haben viel zu oft Angst - und unter Angst lernen sie letztlich nur fast eines: Angst! “

 

Auch zu weiteren Aspekten wie Lernfreude, Aufmerksamkeit und Gedächtnis arbeitete Bauer aus dem wissenschaftlichen Background und konkreten Übungen weitere passende Lernhilfen heraus, die die Eltern und Lehrkräfte im Alltag gut anwenden können. Die Elternbeiratsvorsitzende, Frau Koller, und der Schulleiter, Herr Schäffer, dankten Bauer für den äußerst kurzweiligen und unterhaltsamen, dabei aber durchgängig fundierten und praxisnah.